Wabisabi

Montag, 30. Dezember 2013

 In jedem Objekt steckt Wabisabi drin

Hallo Shin-chan

Wabisabi ist eines meiner Lieblingswörter auf Japanisch. Kennst du das Wort?

Wabisabi ist das Konzept der Wahrnehmung in der Ästhetik.

Dieses Wort besteht aus zwei Verben, nämlich «wabishii» und «sabishii». Das erstere bedeutet «schäbig, einsam, verlassen und arm», das zweitere «einsam, ruhig, fehlend und still».

«Wabishii» will sagen, dass auch in einfachen Dingen die Zufriedenheit und der spirituelle Reichtum zu finden ist. Das Wort «sabishii» anerkennt drei einfache Wahrheiten: Vergänglichkeit, Unvollendung und Unvollkommenheit. In meinen Augen hat es auch etwas Nostalgisches.

Man spricht oft von einer handgemachten «wabisabi» Teeschale. Je verkrümmter und unvollkommener die Schale ist, desto eher sieht man in ihr die Wabisabi-Schönheit. Auch wie die Farbe und die Struktur der Tasse bei der Herstellung entsteht, ist alles dem Zufall überlassen. Im Wabisabi gilt nicht Schönheit der Gleichmässigkeit, sondern die Ungleichmässigkeit, so wie in der Natur. Wenn die Tasse zum Beispiel einen Riss hat, macht es sie um so spannender, denn diese Einmaligkeit erzählt eine ganze Geschichte.

So steckt in jedem Objekt Wabisabi drin. Man muss nur genau hinsehen. Und nicht alles was prunkvoll, glänzend und teuer ist, muss schön sein.

Meine Wabisabi-Objekte sind meine Sakeschälchen und die Sakeflasche aus Kurashiki (Bizenyaki, Keramikherstellung aus der Provinz Bizen) das ich letztes Jahr gekauft habe. Siehe Foto oben.

Was ist dein Wabisabi-Objekt, Shin-chan?

Liebe Grüsse aus Zürich

 


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